Rückblick

Das schweigende Klassenzimmer

Szene aus „Das schweigende Klassenzimmer"

Das Klassenspiel der 12. Klasse im Jahr 2019
„Warum habt Ihr geschwiegen? Warum?“, donnert Kreisschulrätin Kessler, als sie die Klasse nach „dem Vorfall“ verhört. Eine Schweigeminute im Klassenraum einer Abiturklasse, die der Schulbehörde und der Staatssicherheit mehr als ein Dorn im Auge ist. Hier geht es aber nicht um die Wahrheit. Hier geht es darum, nicht staatskonformes Verhalten brutal im Keim zu ersticken. Leidenschaftlich, mit Charme und Dramatik zeigt die 12. Klasse der Freien Waldorfschule Köln ein aufwühlendes Kapitel deutscher Geschichte über Mut, Zusammenhalt und über die Zeit des Kalten Kriegs.

DDR, 1956: Als der Ungarn-Aufstandes brutal niedergeschlagen wird, reagiert die quirlige Abiturklasse um Theo, Kurt, Erik und Lena spontan mit einer Schweigeminute. Schnell wird jedoch klar, dass diese impulsive Aktion Folgen haben wird. Mit Drohungen und Erpressungen versucht die Schulbehörde, die Rädelsführer auszumachen. Als verlängerter Arm der Staatssicherheit setzt sie die Schüler*innen und Schüler und die Eltern massiv unter Druck. Sie straucheln, doch halten letztendlich dem brutalen Druck stand: Weil sie letztendlich füreinander einstehen. Das Spiel der 12. Klasse ist kurzweilig, anschaulich und facettenreich. Es hat Tempo, nimmt sich dann wieder Zeit. Es zeigt die dumpfe Routine der Schießübungen für Jungs. Es wärmt das Herz, als sich Lena und Theo auf der Bühne näher kommen. Was für ein sprühender Moment der Ausgelassenheit, als die Klasse bei der großherzigen Tante Erna auf Tisch und Sofa tanzt. Doch schnell wird klar: Es gibt nichts zu feiern. Der Ungarnaufstand wurde brutal mit Panzern niedergeschlagen. Und im zweiten Teil berührt die eiskalte Macht, mit der Volksbildungsminister Lange und Kreisschulrätin Kessler aus dem Klassenzimmer eine Verhörstube machen.
SchülerInnen, Eltern und auch Direktorin Schwarz verzweifeln fast an der Situation. Diese Verzweiflung ist nicht nur gespielt, sie ist spürbar. In der ausweglosen Situation bahnt sich dann doch noch eine Lösung an, welche die SchauspielerInnen der 12 – behutsam, Schritt für Schritt – aufbauen. Trotz Drohungen und Erpressungen halten sie letztendlich einfach fest zusammen.
Danke, 12. Klasse! Es hat viel Freude gemacht, das Stück anzuschauen. Anna Florenske

Dietrich Garstkas „Das schweigende Klassenzimmer“ beruht auf einer wahren Begebenheit.
Drehbuch, Programmheft, Requisite, PR: 12. Klasse
Kulisse: 12. Klasse + Benno Schlüter (L)
Regie: Lena Hillebrand
Weitere Aufführung im Rahmen „Waldorf 100“ am 3. Juli 2019

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