Schülerinterview

Essen gehört nicht in die Tonne

Zora (Klasse 10) über Ihre Erfahrungen beim Foodsharing-Projekt.

Einmal im Jahr, kurz vor den Sommerferien, vertiefen sich die Schülerinnen und Schüler der Oberstufenklassen in eine Projektwoche, die die SV vorbreitet. Ob Theater spielen, Kochen oder Eintauchen in die Weltpolitik – jeder wählt ein Projekt aus und engagiert sich darin in einer Woche. Zora war neugierig auf das Projekt Foodsharing…

Zora, warum hast Du Dir das Projekt Foodsharing ausgesucht?
Mich hat das Thema sofort interessiert. Ich hatte kurz zuvor zufällig den Film „Taste the Waste“ gesehen. Auch die Zahlen über die Verschwendung von Lebensmittel schocken. Eine Zahl habe ich nicht vergessen: Fast die Hälfte aller Lebensmittel in Deutschland wird weggeschmissen…

Wie begann dann eure Projektwoche?
Am ersten Tag haben wir den Film „Taste the Waste“ gesehen. Wir 12 diskutierten mit dem Projektleiter von Foodsharing, wie krass das alles ist, dass bei uns so viele Lebensmittel weggeschmissen werden. Unnötigerweise, weil wir so im Überfluss leben und Obst oder Gemüse zum Beispiel mit kleinen Dellen nicht mehr kaufen. Alles soll nur „auf dem perfekten Punkt“ gegessen werden und wird danach weggeschmissen, obwohl es noch in Ordnung ist. Und in anderen Ländern hungern die Menschen. Auch in Deutschland haben viele Menschen wenig Geld und würden sich über das Essen freuen.

Am nächsten Tag hast Du zusammen mit dem Projektleiter von Foodsharing und Deiner Freundin Alina Lebensmittel gerettet. Musstet Ihr dafür in Mülltonnen wühlen?
(Lacht) Nein, wir sind mit vielen Kartons zu einem Supermarkt gefahren, der die Initiative Foodsharing unterstützt. Die haben uns Lebensmittel hingestellt, die sie schon aussortiert hatten. Das waren Sachen, die das Mindesthaltbarkeitsdatum noch nicht mal überschritten hatten. Aber auch danach sind viele Lebensmittel noch ok, habe ich gelernt. Dann haben wir noch Brot vom Tag und Gemüse mit ein paar welken Blättern bekommen. Alles, was wir nicht mehr essen würden, haben wir aussortiert. Also zum Beispiel, wenn da jetzt Schimmel dran war oder faule Stellen. Welke Blätter an Gemüse haben wir einfach abgeschnitten. Das meiste war noch ok. Mehrere Kisten mit Lebensmitteln haben wir so vor der Mülltonne gerettet.

Einmal seid ihr sogar richtig früh aufgestanden, um Essen zu retten!
Ja, da waren wir um fünf Uhr früh bei mehreren Bäckern. Die haben uns kistenweise Brot, Brötchen und Kuchen vom Vortag gegeben, weil die das nicht mehr verkaufen können. Wir durften davon auch naschen und es in der Schule verteilen. Es war nicht mehr ganz frisch, aber alles hat noch gut geschmeckt. Krasser ist es noch bei belegten Brötchen: Werden die nicht innerhalb von vier Stunden verkauft, landen sie im Abfall. Eigentlich ist es am besten, wenn Bäcker die Brötchen erst belegen, wenn man danach fragt.

Danach seid Ihr zur nächsten Station, dem sogenannten Verteiler. Was ist das?
Die Foodsharing-Verteiler sind Räume oder nur Schränke mit Kühlschränken, es gibt sie an mehreren Stellen in Köln und in anderen Städten. Wenn die Foodsharer wieder neue Lebensmittel gerettet haben und zu den Verteilern bringen, dann posten sie das auf ihrer Seite foodsharing.de in die digitalen Essenskörbe. So erfahren Menschen davon, manche kommen auch einfach so zu den Verteilern in ihrer Nähe und schauen, was es gerade gibt. Andere bringen da auch Sachen hin, etwa wenn sie in Urlaub fahren. Wir haben das gerettete Essen da rein gestellt.

Wie wird das „gerettete Essen“ von Menschen an den Verteilern angenommen?
Viele warten schon am Verteiler auf die Lebensmittel. Wenn gepostet wird, dass Essen am Verteiler ist, dann ist das meist innerhalb von einer halben Stunde weg, erzählten uns die Leute von Foodsharing.

Das klingt ganz einfach und sinnvoll. Weißt Du, warum es nicht mehr Foodsharing gibt?
Die Menschen von Foodsharing meinten, dass viele Läden da nicht mitmachen. Viele haben Angst davor, sich die Preise zu ruinieren und, weil sie Strafen befürchten. Zu Unrecht! An einzelne Menschen dürfen sie die ausgemusterten Lebensmittel nicht abgeben, an Organisationen wie Foodsharing aber doch.

Du klingst begeistert von dem Projekt! Hast Du für Dich – neben ein paar brauchbaren Lebensmitteln – noch etwas anderes mitgenommen?
Viele von uns waren nach der Projektwoche richtig begeistert. Ich auch. Inzwischen vergisst man das manchmal, aber ich erinnere mich auch wieder daran. Immer öfter versuche ich jetzt, nicht so viel wegzuschmeißen, natürlich. Vieles, was übrig geblieben ist beim Essen, kann man im Kühlschrank noch aufbewahren für den nächsten Tag. Ein Butterbrot vom Morgen landet bei mir am Abend möglichst nicht mehr in der Mülltonne.

„Taste the Waste“ - Infos zum Film von Valentin Thurn

Jeder zweite Kopfsalat und jede zweite Kartoffel wird schon bei der Ernte aussortiert, jedes fünfte Brot muss ungekauft entsorgt werden. Der Kunde wünscht die frische Auswahl an Waren bis Geschäftsschluss und möchte auch im Winter Erdbeeren kaufen können. Kartoffeln, die der offiziellen Norm nicht entsprechen, bleiben direkt auf dem Feld liegen und auch im Supermarkt trifft die weniger schönen unter ihnen schnell das Schicksal als Ladenhüter. Die Folge: Über 50 Prozent aller Lebensmittel werden weggeworfen, das sind in Deutschland allein 20 Millionen Tonnen im Jahr. Das Ausmaß der Verschwendung an sich ist schon erschreckend - absurd wird der Gedanke, wenn man betrachtet, wie wenig Lebensmittel in anderen Regionen der Erde vorhanden sind. [Pressetext]

Bild: © Timo Klostermeier / PIXELIO